Über Konzertunfälle

Wer kennt das nicht…

Es ist viertel vor fünf am Morgen, an einem Mittwoch.

Eigentlich hätte man schon seit mindestens sechs Stunden schlafen sollen.

Heute wäre mir das eigentlich relativ egal, denn ich bin krank und muss morgen nicht arbeiten (geht euch das auch so? „Morgen“ ist erst, wenn man geschlafen hat und wieder aufgewacht ist.), aber: Man hat keine Zigarretten mehr, man sucht alle Schränke und Taschen und Schubladen ab, weil man sich absolut sicher ist, irgendwo mal ne Schachtel hingelegt zu haben, aber man findet nichts.

Alles was man findet sind die Blättchen und Filtertips, die mal irgendjemand hier vergessen hat.

Was also tun?

Einfach.

Man wühlt im Restmüll nach weggeworfenen Zigarrettenkippen, pflückt die Tabakreste raus und dreht sich eine.

Das aber nur als Tipp in Sachen Ökonomie am Rande.

Eigentlich wollte ich was amüsantes berichten.

Konzertunfälle.

So alt wie die Idee des Konzertes selbst.

Es läuft immer gleich ab: Auf der Bühne steht ne schäbige Band.

An der Theke gibt’s billiges, verwässertes Bier, und ab geht’s.

Erst ein bisschen Pogen.

Das ist noch relativ harmlos, obwohl ich schon mehr als einen blutüberströmten Kopf aus der Moshpit habe kriechen sehen.

Aber dann geht’s richtig ab: Man denkt sich crazy Dancemoves aus.

Mein absolutes Highlight ist schon mehrere Jahre her.

Ich kann mich nicht mehr an den Anlass dieses Open Air Konzertes auf dem Schulhof meiner damaligen Schule erinnern, aber es war nicht grade gut…

Wie auch immer: Ich tanze mit nem Kumpel stumpf in der Gegend rum und plötzlich kommt einer von uns beiden auf die glorreiche Idee, ich könnte mich auf seine Schultern setzen und wir tanzen zusammen als doppeltgroßer Mensch weiter.

Bis hierhin tatsächlich noch glorreich und nachvollziehbar.

Naja, ich hab das verwässerte aber nichts desto trotz billige Bier ja bereits erwähnt.

Wieviel ich hatte, weiß ich nicht mehr so genau, er hatte auf jeden Fall zu viel.

Denn plötzlich merke ich, wie er das Gleichgewicht verliert und in – wie mir schien – Zeitlupe vorne über zu Boden geht.

Mein Gesicht hatte den längsten Flug.

Ich lande also zuerst mit meinem Oberkörper auf dem Kopfstein.

Mein Gesicht verharrt in der Luft.

In meinem Kopf schleicht sich ein Gedanke langsam in Richtung Sprachzentrum: „Puh… Wenigstens bin ich nicht aufs Ges…“

Weiter konnte ich nicht mehr denken, denn diese verdammte Fliehkraft holte meinen Kopf ein, der ohne weitere Verzögerungen nun ebenfalls das Kopfsteinpflaster auf poröse Stellen untersuchte.

Um uns herum bildete sich ein Kreis, die Band, an deren Namen ich mich die ganze Zeit versuche zu erinnern, hört mitten im Lied zu spielen auf, alle Blicke richten sich auf mich und mein Gesicht.

Ich springe auf und rufe laut: „Nix passiert! Spielt weiter!“

Und weiter gings.

Wie der Abend endete weiß ich auch nicht mehr, ich bin aber definitiv nicht am nächsten Tag im Krankenhaus aufgewacht.

Die Geschichte erzähle ich ein anderes Mal.

Gute Nacht.

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