Über die Nacht in der ich 96 verschiedene Frauen geküsst habe
Ja, diese Nacht gab es tatsächlich.
Es war im Sommer 2007. Hurricane Wochenende.
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich stolz oder beschämt sein sollte.
Mir war langweilig.
Ich geb’s zu.
Ich war betrunken.
Auch das geb ich zu.
Irgendwann lerne ich irgendeinen Typen kennen.
Wir unterhalten uns und er erzählt mir, dass er total auf irgendeine Hotdog Verkäuferin abfährt aber zu schüchtern ist, sie anzusprechen.
Aus irgendeinem Grund gehen wir folgende Wette ein:
Sollte ich es nicht innerhalb von zwei Stunden schaffen, 100 verschiedene Frauen zu küssen, muss ich ihm helfen, die Hotdog Lady klarzumachen.
Diese Herausforderung musste ich annehmen.
Ich laufe also mit meinem neuen Kumpel los und spreche jede ansprechend aussehende Frau die mir über den Weg läuft mit folgendem Satz an: „Excuse me… I’m from the US and this might sound a little stupid, but my friends at home said that I couldn’t kiss 100 german girls at this festival.“
Der Spruch hat gezogen.
Gleich am Anfang hatte ich das Glück in eine 10er-Gruppe Mädels reinzurennen.
Ich wurde dann einmal Reih um gereicht.
Eine andere hatte sogar ihren Freund daneben stehen.
Wenn ich er gewesen wäre, hätte ich mir wahrscheinlich eine verpasst.
Er fand das aber nicht weiter schlimm.
Irgendwann wurde mir dann allerdings die Zeit zum Verhängnis.
Bei Mädel Nummer 96 piepte die Stoppuhr.
Ich hatte die Wette verloren.
Naja, ich also mit meinem neuen Kumpel zum Hotdog Stand und seiner angebeteten Verkäuferin.
Erstmal hab ich ihm gesagt, er soll sich mal nen Hotdog bestellen.
Er hat mir dann auch einen mitgebracht und ich bin dann in meiner Rolle als Amerikaner geblieben.
Allerdings habe ich dann spontan ein kleines bisschen Backstory zu meiner Rolle dazu erfunden.
Ich war jetzt auch Vegetarier.
Ich hab dann also in glaubhaftem Englisch lautstark erklärt, dass das wirklich ein verdammt guter Hotdog war.
Die Verkäuferin freute sich und wir drei kamen ins Gespräch.
Irgendwann hab ich dann mal nebenbei angemerkt, dass ich ja eigentlich Vegetarier bin, dieser Hotdog mich aber wieder zum Fleischesser bekehrt hat.
Sie war schockiert.
Ich merkte: „Verdammt, die Dame ist mehr an mir als an ihm interessiert…“
Plötzlich kommt so ein Typ mit ner verdammt großen Bongotrommel um die Ecke.
Ich frage – immer noch ganz in meiner Rolle – ob ich mal darf.
Und dann fang ich an zu trommeln.
Und alle Menschen um mich herum fangen an zu tanzen.
Es war wie in irgendeiner Hippiekommune.
Nur mit Hotdogs.
Dann bin ich mit dem Bongotrommelmann weitergezogen – aber die Geschichte erzähl ich ein anderes Mal.
Meinen neuen Kumpel und seine Hotdog Lady hab ich nicht wiedergesehen.
Falls ihr das lest: Liebe Grüße! Und: Die Hotdogs waren echt verdammt lecker!
Gute Nacht.